dpa-Meldung
Einfach bärig:
Berliner: Wappentier wird 725 Jahre alt
Berlin (dpa) - Der alte Bär hat sich bestens gehalten. Auch seine Beliebtheit bei Touristen aus aller Welt ist ungebrochen. An diesem Dienstag feiert der Bär als Berliner Wappentier seinen 725. Geburtstag.
"Der Bär ist überall", sagt Hobbyforscher Bernd Unger, der Vereinschef der Berliner Bärenfreunde. Als Geburtsstunde des Wappentieres gilt der 22. März 1280. Von diesem Tag datiert ein Gildebrief der Berliner Kürschner, auf deren Siegel zwei stehende Bären abgebildet waren. Frühere schriftliche Nachweise sind nicht bekannt.Seitdem ist der Bär ein Erfolgsmodell, findet der 68-jährige Unger. Der Bär sei nicht nur Hoheitszeichen Berlins und auf Siegeln, Wappen und Fahnen verewigt, sondern auch im Leben der Einwohner tief verwurzelt. Mit seinem 1994 gegründeten Verein hat Unger schon tausende Belege rund um das Zotteltier zusammengetragen und dessen Geschichte ganz ohne Fördermittel erforscht.
Im Berliner Stadtbild haben die ehrenamtlichen Bärenfreunde mehr als 500 Exemplare aufgespürt - an Hausgiebeln, als Plastiken oder als Brunnenfigur. Begehrt ist der Bär auch bei Filmkünstlern in goldener Ausführung - als Preis bei der Berlinale. Vereins-Vize Jürgen Bathe hat großen Anteil an der Dokumentation der Bären-Standorte. Per Fahrrad hat er auf seinen Touren durch die Hauptstadt viele Wappentiere aufgespürt.
"Wir haben alle Bezirke abgegrast - jetzt noch was Neues zu finden, wäre ein Riesenzufall", ist sich Unger sicher. Auch eine New Yorkerin hält dem Bären-Verein die Treue und berichtet aus der Ferne. So soll selbst in einem Garten in Hollywood ein Berliner Bär stehen.
Es gebe aber noch weitgehend unerforschte Kapitel, zeigt sich Unger weiter wissbegierig. So biete der Bär in der Militärgeschichte noch viel Stoff. Auch das Wappentier in der Satire sei lohnend. Zudem erschien gerade auch das Büchlein "Bärlinale", in dem das Unternehmen s.wert design rund 300 Exemplare in Gebrauchsgrafiken zusammengetragen hat.
Auch der Bär sei von der Teilung Berlins betroffen gewesen, weiß Vereinschef Unger. 1954 entschied sich das Abgeordnetenhaus (West) für einen schwarzen Bären mit goldener Laubkrone als Wappentier, das dann nach dem Mauerfall für die ganze Stadt übernommen wurde. Der Ost-Bär trug dagegen bis 1990 eine rote Mauerkrone und hatte im Gegensatz zu seinem West-Kollegen nur vier statt fünf Krallen.
Wie der Bär eigentlich nach Berlin geriet, sei noch immer nicht klar, sagt Unger. "Bis heute gibt es viele Mythen." Die Annahme, dass Berlin in der Nähe eines Bärenlagers gegründet wurde, klingt für ihn aber besonders glaubhaft. So solle das Wort Berlin früher Bärenlager bedeutet haben, weshalb der Bär zum Wappentier ausgewählt worden sein soll. Oder aber geht das Wappentier auf den möglichen Stadtgründer Albrecht den Bären zurück?
Berlin leistet sich auch ein lebendiges Wappentier. Für den amtierenden Stadtbär Tilo in der 1939 eröffneten Traditionsstätte des Berliner Bären am Köllnischen Park im Bezirk Mitte gibt es am 23. März eine Party zum Bären-Jubiläum. Tilo und seine Gefährtinnen Maxi und Schnute können sich dann auf eine Torte mit Weintrauben und Melonen freuen.
Von Jutta Schütz, dpa