Berliner Morgenpost vom 20.3.2005

Berlins Wappentier feiert 725. Geburtstag

Große Bärenparty steigt am Mittwoch

Berlin ist schon lange auf den Bären gekommen - symbolisch gesehen allerdings erst recht spät. Denn als Berlin 1227 erstmals offiziell urkundlich belegt so genannt wurde, war der Bär den Unterzeichnern noch ziemlich schnurz. Erst 53 Jahre später - anno 1280 - machten mittelalterliche Stadtmarketingexperten (quasi die Vorläufer der heutigen Berlin Tourismus GmbH) das Konterfei des buschigen Gesellen, der vermutlich vor den Stadttoren wohlgenährten Handelsreisenden aus dem Westen auflauerte, zum wappenzierenden Zeitgenossen. Fortan war der braune Petz nicht mehr wegzudenken. Bär - Bärlin - Berlin - eine Metamorphose und untrennbare Einheit zugleich, die so gemeinsam, dank eines genialen Vermarktungsstrategie, aus dem Ort in den Sümpfen über 725 Jahre eine weitgehend trockenen und Metropole gemacht hat.

Eine wahrhaft bärenstarke Erfolgsgeschichte. Grund genug, diesem schwergewichtigen Maskottchen an seinem 725. Geburtstag am kommenden Mittwoch zu huldigen. Denn eins muß klar sein: Wäre damals der Namensfindungskommission für das Kaff an der Spreefurt nicht zufällig ein Bär, sondern ein anderes Tier über den Weg gelaufen, hieße unsere Stadt jetzt womöglich Biberlin, Haselin oder Rehlin... Bär, wir danken dir! Du warst zu rechten Zeit am rechten Fleck.

Und Berlin und die Berliner danken es dem treuen Gesellen auf ihre Weise. So haben die stattlichen Tiere nicht nur ihren festen Platz im Herzen der Hauptstädter, sondern auch in natura in den Kultstätten und Wallfahrtsorten der Bärenfangemeinde in Zoo, Tierpark und am Märkischen Ufer ihren Platz gefunden. Außerdem lebt im Haushalt einer jeden original Berliner Familie (achten sie beim Besuch bei vermeintlichen Berlinern darauf und lassen sie sich nicht durch das Anbieten von Gummibärchen täuschen) als Ehrenmitglied mindestens ein Plüsch-Bär. Aber auch sonst vergöttern die Berliner ihren Bär, der aus der Stadt nicht mehr wegzudenken ist. Überall begegnet man ihm als Figur in Wappen und Fahnen, an Haustüren und als Skulptur, als werbewirksamen Botschafter eines hauptstädtischen Unternehmens oder hunderte Male als Eintrag im Berliner Telefonbuch.

Was wären die Berliner ohne ihren Patron, der schützend die Tatze über die Häupter seiner Lieben hält? Vielleicht wären wir nicht ganz so oft brummig, aber sicher auch nicht so bärenstark in allen Situationen, mit dem sprichwörtlichen Bärenhunger auf Currywurst und Bulette und der Vorliebe für geruhsame Abende auf der (faulen) Bärenhaut oder mit Bärbel auf dem Bärenfell...

Und "janz berlinisch" sind auch die Namen, die die Berliner seit der Wiedereröffnung des Bärenzwingers im Köllnischen Park im Jahre 1949 den Stadtbären gaben: Nante und Jette, Neese und Jurke, Rieke und Piefke (später Julchen, das Geschlecht wurde nach der Geburt verkannt) und Taps. Heute sind Schnute, Maxi und Tilo die lebenden Vertreter der Berliner Stadtbären. Das Bezirksamt Mitte und der Verein der Berliner Bärenfreunde würdigen das Jubiläum mit einer Veranstaltung am Mittwoch, 23. März 2005, um 12 Uhr am Bärenzwinger im Köllnischen Park. Den Berliner Stadtbären werden süße Früchte vom Verein der Berliner Bärenfreunde spendiert und sie so aus ihrer Winterruhe gelockt, die naturgemäß endet, wenn die Temperaturen wieder frühlingshafte Werte erreicht.

Mehr für die Geburtstagsgäste als für die Bären wird auch Mittes bärtiger Bürgermeister Joachim Zeller (CDU) die Berliner Bärentradition würdigen. An einem Stand gibt es Informationen über die Geschichte der Berliner Bären. Traditionell wird der Geburtstag des Wappentieres seit 1996 als "Tag des Berliner Bären" öffentlich begangen.


Infos zum Stadtbären im Netz

www.berliner-baer.de

Mathias Stengel