Amerikawoche vom 08.04.'00
Berlin (dpa) - Da steppt der Bär:
Das Berliner Wappentier prangt auf Briefköpfen, in Firmenlogos, ist in Stein gehauen ebenso präsent wie als plüschiges Mitbringsel in Souvenirshops. "In diesem Jahr wird unser Wappentier 720 Jahre alt", freut sich Bernd Unger, Vereinschef der Berliner Bärenfreunde.
Der 63 Jahre alte Hobbyforscher hat mit seinem Verein schon mehr als 2000 Belege rund um den Wappenbär zusammengetragen. "Ein Ende ist nicht in Sicht", meint der Rentner aus dem Bezirk Hellersdorf. Die Recherchen zum Bär in der Wirtschaft seien gerade erst richtig angelaufen. Vereins-Vize Jürgen Bathe ist oft per Fahrrad unterwegs, um neue Bärenmotive zu finden. Über 450 hat er schon zusammen. Auch die Bären-Vereins-Freundin aus New York nutze jeden Besuch, um neue Spuren des geliebten Tieres zu finden, erzählt der quirlige Unger.
Das geballte Bären-Wissen kann man sich auch per Mausklick im Internet holen (www.berliner-baer.de). Für eine Broschüre habe die öffentliche Hand kein Geld, bedauert Unger. "Dabei hab ich schon oft erlebt, wie enttäuscht Touristen sind, dass die Stadt so wenig Schriftliches über ihr Wappentier zu bieten hat" Das sei auch ein Grund für die Vereinsgründung gewesen.
Die Mitglieder -überwiegend Ruheständler mit viel Zeit- haben 1996 den jährlichen bärischen Erinnerungstag am 22. März durchgesetzt. "Die Urkunde mit dem ältesten bekannten Berliner Stadtsiegel, auf dem ein Bär zu sehen ist, datiert vom 22. März 1280", sagt Unger. Es ist der Gildebrief der Berliner Kürschner. Trotz aufwendigen Suchens gibt es aber weiße Flecken: "Es ist nicht bekannt, wie Berlin zu seinem Bären kam", sagt der Rentner und zuckt mit den Schultern. Hat das zottige Tier wirklich hier gelebt oder geht es auf den möglichen Stadtgründer Albrecht den Bären zurück? "Dazu sind genauso viele Thesen wie Gegenargumente im Umlauf."
Auch der Bär sei von der Teilung der Stadt betroffen gewesen, berichtet der Vereinschef. 1954 entschied das Abgeordnetenhaus (West) sich für einen schwarzen Bären mitgoldener Laubkrone als Wappentier, das dann nach dem Mauerfall für die ganze Stadt übernommen wurde. Der Ost-Bär trug dagegen eine rote Mauerkrone und im Gegensatz zu seinem West-Kollegen nur vier statt fünf Krallen.
Der Zwinger als Traditionsstätte für das Wappentier wurde am 17. August 1939 eröffnet, zitiert Unger aus seiner Dokumentation. Bis auf "Lotte", die später in den Zoo übersiedelte und dort 1974 starb, kamen alle Bären gegen Ende des Zweiten Weltkrieges um.
Erst 1949 zog mit ,Jette" und "Nante" wieder Leben in den Zwinger im Ostteil der Stadt Nach der Wende bekam dann "Tilo" aus dem Zoo im sächsischen Bischofswerda die Würde der Stadtbären. "Der schmust auch ganz gern, schließlich wurde er mit der Flasche aufgezogen", sagt die Pflegerin.