Bärennachwuchs 1994 im Köllnischen Park
Die legendären Berliner Bären Nante und Jette hatten ein langes und sicher glückliches Leben.
Nachdem sie verstorben waren zog 1981 eine neue Bärengeneration in den Zwinger ein. Taps und Schnute hießen sie und waren Geschwister. Sie kamen aus Staßfurt. Von ihnen stamm Maxi, geboren 1986. Taps ist leider früh erkrankt und verstorben. So wurde Tilo aus Bischofswerda 1990 der neue Partner für Schnute und Maxi.
Natürlich inspiriert insbesondere der Nachwuchs, die niedlichen, kleinen, verspielten Bärchen, dazu, Emotionen in Versen auszudrücken. So hat sich auch der Autor im Bärenjahr 1994 versucht.
Riesen Sensation! Fünf kleine Stadtbärchen wurden geboren. Drillinge von Schnute und Zwillinge von Maxi. Das hatte es noch nicht gegeben. Tilo, der stolze Bärenvater, gerade vier Jahre alt geworden, wurde zum "Helden" der Stadt. Leider war die Freude nur kurz. Die jungen Bären mussten aus Platzgründen abgegeben werden und leben nunmehr in Buenos Aires, als Lieblinge der Hauptstadt Argentiniens bzw. in Nordspanien in einem Naturpark Noch immer hängen viele Berliner an ihren Bärchen und die Medien berichten regelmäßig über ihr Befinden. Unser Verein der Berliner Bärenfreunde informiert jährlich in Videovorträgen über sie.
| Bärennachwuchs 1994 im Köllnischen Park |
| Im Berliner Bärenzwinger passieren wunderliche Dinger. Im neunzehnvierundneunziger Jahr, da war so manches sonderbar. Man wollte, daß sich uns´re Bären aus Kostengründen nicht vermehren. Der Beschluß war sicher klug, denn drei Bären sind genug. Und so gab man dann bekannt, unser Tilo wird entmannt. So ist es dann auch gekommen, die Manneswürde wurd´ genommen Doch Tilo war ein schlauer Bär und dachte bei sich, ich weiß mehr. Denn vorher hatte schon der Gute ein Verhältnis mit der Schnute. Außerdem, ganz innig mocht´ er Maxi, Bärin Schnutes Tochter. Er wollte doch in allen Ehren wenigstens einmal Vater werden, vor allem, damit seine Stadt noch einmal Bärenkinder hat. Es kam auch, wie es kommen mußte, was der Tilo längst schon wußte. In den ersten Januartagen konnte man dann endlich sagen, fünf junge Bären hat Berlin und alle gratulierten ihm, dem Berliner Bärenmann, der gezeigt hat was er kann. Denn bei seiner Liebelei war der Tilo gerade drei. Unser junges Maxi-Bärchen schenkte Tilo gleich ein Pärchen. Stolz sah sie zur Mutter auf, und die legte noch eins drauf. Eine Tochter und zwei Knaben, so wollte es die Schnute haben. Diese frohe Bärenkunde war sehr schnell in aller Munde, erreichte kurzum jedes Haus, und löste große Freude aus. Da kann man auch sehr gut versteh´n, ein jeder wollt´die Bärchen seh´n. Noch aber war es nicht soweit, denn junge Bärchen brauchen Zeit. Wenn sie grad´ geboren sind, sind sie noch winzig, nackt und blind. Doch junge Bärchen wachsen dann bei guter Pflege schnell heran. Am 22. Aprille war´s vorbei in Käfigs-Stille. Da ging ´s hinaus an Luft und Sonne, und sie spielten voller Wonne, wollten klettern, toben, baden, fielen auch mal in den Graben. Unter herzlichem Applaus holen sie die Muttis raus. Hunderte Berliner kamen täglich zu den Bärendamen um die Kleinen zu betrachten, die ihre Mütter stolz bewachten. Man hatte sie ins Herz geschlossen, doch sind auch Tränen schon geflossen. Ein jeder wußte, wir behalten aus Platzgründen nur die Alten. Im Herbst werden sie abgegeben, so ist nun mal das Leben, nur, weil uns´re große Stadt kein Geld für ihre Bärchen hat. Von den Petzen abgelenkt, wurde das doch schnell verdrängt. Noch hatten wir sie viele Wochen, da blieb die Freude ungebrochen. Wir denken heut noch an´s Geraufe bei der öffentlichen Taufe. Es regnete in einem fort, doch die Berliner waren dort. Sie sahen unter frohem Lachen, was Bärchen für Gesichter machen, wenn Spreewasser aus Flaschen fließt und sich auf ihr Fell ergießt. Maxi und der Oma Schnute war da gar nicht wohl zumute. Sie mußten in dem Käfig bleiben, sich allein die Zeit vertreiben. Aufmerksam hörten die Damen ihrer Bärenkinder Namen. Maxi rief ihre Schlawiener Alex dann und Bärolina. Atze, Piefke und auch Rieke fand die Schnute wirklich schnieke. Ganz Berlin war auf den Beinen erfreute sich an ihren Kleinen, die fröhlich durch´s Gehege rannten und noch keine Sorgen kannten. |
| Denn bei Frau Kutzner und Frau Gnad kam gewiß kein Bär zu Schad´. Viele kamen um zu spenden, and´re gaben mit eig´nen Händen. Jeder Bärenfreund der brachte was den Bärchen Freude machte. Honig, Nüsse, Apfelsinen, Äpfel, Birnen, Mandarinen, Möhren und noch vieles mehr. Das freute unsere Bärchen sehr. Jette sah man eilig hasten, mit ihrem roten Leierkasten, der Bärenzwinger war ihr Ziel, erfreute uns mit ihrem Spiel. Sie leierte den ganzen Tag, weil sie unsere Bären mag. Das ganze Geld, das will man meinen, spendierte Jette dann den Kleinen Auch Berlin-Touristen wußten schon von der Bärenattraktion. Aus nah und fern kamen sie her, was liebe Bärchen wollt ihr mehr. Berlin war wieder bärenstark, nicht nur im Zwinger im Köllnischen Park. Doch dann kam der Schicksalsschlag, und man denkt ungern an den Tag, an dem der erste Abschied kam, den jeder sich zu Herzen nahm. Viel zu schnell verging die Zeit, schon im August, da war´s soweit. Drei Reisekisten trafen ein, Atze und Rieke mußten rein, Nur Bärolina sträubte sich und weinte laut und bitterlich. Doch half es ihr in keiner Weise. Sie mußte auch mit auf die Reise. Viele Berliner war´n gekommen und haben Abschied dann genommen. Viel Freude hatten sie gemacht, und nun wurden sie fortgebracht. Viele Tränen sind geflossen von Berlinern, die beschlossen, muß man sie schon von hier vertreiben, ihnen aus der Ferne treu zu bleiben. Die alten Bären und die jungen, schrien den Schmerz aus ihren Lungen. Ab gings nach Südamerika. Nach zwei Tagen war´n sie da. In Buenos Aires ging es ´raus. Da waren sie fortan zu Haus´. Frau Kutzner hat sie hingebracht und ihnen freundlich zugelacht. Das gab den Bärchen sicher Mut. Wenn sie da war, ging alles gut. Mit Jubel wurden sie empfangen. Der Abschiedsschmerz war bald vergangen. In ihrem neuen Bärenhaus kannten sie sich sehr schnell aus. Der neue Pfleger war gekommen und wurde sofort angenomme. Denn wer so lieb das Futter bringt, wird von Bärchen schnell umringt. Alles war da, zu ihrem Wohle in Argentiniens Metropole. Damit ein jeder gleich im Bilde, sind auf einem großen Schilde ihre Namen eingraviert. So wird jeder informiert, wie sie heißen und erkennt,. es handelt sich um ein Präsent. Denn Berlins Stadtoberhaupt, hat diese Geste sich erlaubt, gegenüber unsrer Partnerstadt, die nun Berliner Bären hat. Herr Diepgen hat es nicht bereut, denn man hat ehrlich sich gefreut über unsere Wappentiere in Argentiniens Hauptquartiere. In Berlin doch, da verharrten Alex und Piefke. Sie mußten warten, bis auch für sie die Stunde kam, wo man von ihnen Abschied nahm. In November war´s soweit. Frau Kutzner stand erneut bereit um auch noch den Letzten beiden den Weg ins neue Heim zu zeigen. Ein letztes Winken und ein Wort, dann zogen alle traurig fort. Nach Spanien führte dann die Reise, wo man sie glücklicherweise, aus dem Transportbehälter ließ. und herzlich dort willkommen hieß. In Cabarceno, bei Santander, leben 50 Bären miteinander unter Spaniens Sonnenhimmel. Welch ein bäriges Gewimmel! Doch Tilo, Maxi und der Schnute ist nicht mehr sehr wohl zumute. Fünf Bärchen waren hier geboren und alle haben sie verloren. Doch vergessen sind sie nicht. weil man noch oft von ihnen spricht und die fünf Bärchen uns´rer Stadt noch sehr gut in Erinn´rung hat. Man besucht sie jetzt vor Ort. Viele Berliner war´n schon dort, um zu schau´n wie ´s ihnen geht und zu sagen, Bärchen seht, daß eure alte Heimatstadt euch längst noch nicht vergessen hat. Berliner Bärenfreunde zeigen auf Videos nun den Bärenreigen. Wie groß und stark sie nun schon sind, und man sich gern auf sie besinnt. Wir bleiben euch treu und ihr habt uns verzieh´n. Ihr seid doch ein kleines Stückchen Berlin. |